Google schockt KI-Markt – Autobranche im Zahlenrausch – Oracle sieht Zenit bei KI-Investition – DAX entgegen Trend stark – Volkswagen weitet Verlust aus und setzt auf „Demontage-Fabrik“

Liebe Leser,

die „Hammer-Woche“ und der Oktober ist vorbei. Mittwochnacht haben Alphabet (Google) und Microsoft ihre Zahlen veröffentlicht. Microsoft war sehr solide und die Aktie stieg entsprechend moderat an. Doch bei Alphabet musste man sich nach völlig verfehlten Quartalsergebnis zunächst die Augen reiben. Bevor ich einige Details nenne, muss man den Kursverlust von 13% verdauen. Außer dem stark verfehlten Nettogewinn, der unter anderem durch Verluste aus Beteiligungen wie bei SpaceX zustande kam, ist ein negativer Cashflow ausgewiesen worden. Der Nettogewinn ist gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 2,87 USD / Aktie auf 2,12 USD gesunken. Das ist für Alphabet ungewöhnlich und zeigt, wie die KI-Investitionen das Cash regelrecht auffressen. Allein im letzten Quartal sind 51 Milliarden US Dollar in die KI-Infrastruktur geflossen. Oracle hat in diesem Zusammenhang erklärt, dass 2026 die Investitionen in KI-Infrastruktur wohl das Zenit erreicht hat. Außerdem hat Amazon seine Zahlen gemeldet. Tja, auch Amazon reiht sich in die Reihe des negativen Cashflows ein. Der Mittelabfluss beträgt 42,4 Milliarden US Dollar (im Zeitraum von 1 Jahr). Mittelabfluss bedeutet: das Cash schmilzt im Multi-Milliarden Bereich. Amazon, Oracle und Alphabet sind nicht die einzigen Geldverbrenner. Die Kurse im KI-Sektor purzeln und zwar ziemlich deutlich!

Stellantis (das Automobil-Konsortium aus Fiat, Chrysler, Dodge, Jeep, Peugeot, Opel, Citroen) hat einen starken Cash-Turnaround durch Kostensenkungsprogramme erzielt. Die Aktie schoss mit 12% regelrecht senkrecht durch die Decke. Bei einem Umsatzanstieg von lediglich 1% ist der operative Gewinn um 184% gestiegen. Der freie Cashflow ist von minus 4 Milliarden US Dollar auf +4 Milliarden gedreht. Auch Ford hat bei einem minimalen Umsatzanstieg seinen Gewinn im Verhältnis deutlich steigern können. Auch in China hat der größte Autobauer BYD seine Zahlen gebracht. Der Gewinn lag unter den Erwartungen und wurde mit einem globalen Preiskampf begründet. An dieser Stelle bin ich aufgrund meiner Position im www.swissmonday.de etwas subjektiv, weil die Weltmarktanteile durch den Preiskampf weiter steigen. Volkswagen hat am Donnerstag einen 5,82 Milliarden Euro-schweren Quartals-Verlust bekannt gegeben. Darunter sind Abschreibungen bei der Porsche Beteiligung sowie hohe Kosten für den Konzernumbau. Aber auch die schwachen Verkaufszahlen in China führen zur Verlust-Steigerung. Apropos Umstrukturierungskosten: VW hat eine „Demontage-Fabrik“ gebaut. Eine Fabrik, in der man die Ersatzteile alter Autos auseinander baut. Liebe Freunde: VW soll Autos BAUEN und nicht in die Einzelteile zerlegen! Aber gut… Ich schließe diesen Abschnitt mit einem weiteren deutschen Unternehmen, nämlich Adidas. Adidas hat mit einem Umsatzanstieg von 9% ein Rekordergebnis erreicht und die Aktie war der Gewinner im DAX.

Nach einer kurzfristigen Abwärtswelle ging es bei SK Hynix nach den starken Quartalszahlen und positivem Ausblick in Bezug auf anhaltend hoher Nachfrage um 11% nach oben. Es zeigt sich dennoch ein zwiespältiges Bild bei den KI-Aktien. Die Schere zwischen Hardware (Chip-Aktien) und „Verwender / Schaufel-Nutzer“ geht auseinander. Am Ende lobt sich die Chip-Branche mit der hohen Nachfrage, die von dem Investitions-Wettrennen der KI-Anbieter profitiert haben. Doch was geschieht, wenn es die jüngsten Rekord-Investitionen langsam stagnieren? Natürlich prahlen die Chip-Riesen zurecht mit ihren Erfolgen und blicken Hoffnungsvoll auf die Zukunft. Sie wären auch doof, wenn sie jetzt die positive Welle für steigende Kurse und neue Platzierungen von Aktien und Anleihen nicht ausnutzen würden. Doch auch hier bleibt die Frage: wie lange läuft die Karre noch, oder brennen schon die ersten Kabel durch?

Wie geht’s an den Börsen weiter?

Das Highlight der kommenden Woche ist die Zwischenwahl in den USA. Ich habe keinen blassen Schimmer über die Folgen bei welchem Ausgang. Trump soll nach Medien-Berichten unter Druck stehen. Dagegen fürchtet sich die Wallstreet traditionell vor den Demokraten, die sich in den USA ähnlich wie in Deutschland die „Links-orientierten Parteien“ eher auf Regulierungen und Besteuerung spezialisiert hat. Die Märkte ähneln momentan ohnehin eher einem Flummi-Ball, der hoch und runterspringt. Kompletter Wahnsinn, der mich an die Phase kurz vor dem Crash der Dot.com Bubble 1999/2000 erinnert. Die Berichtssaison ist in den USA mit den Big-Playern weitestgehend abgeschlossen. Dafür kommen jetzt die deutschen DAX-Unternehmen aus den Startlöchern. Nächste Woche stehen u.a. folgende Ergebnisse an: Apple, Palantir, AMD, Bayer, Lufthansa, Zalando, ARM, McDonalds, Novo Nordisk, Uber, AirBNB, Deutsche Telekom, Rheinmetall, Daimler Truck, Mitsubishi Motors. Für die Insider der japanischen Venture Capital für Techs Namens Softbank: Softbank hat Uber, AirBNB und ARM an die Börse gebracht und hält entsprechende Anteile. Dies nur für jene Anleger, die noch nicht so lange im Business sind.

Ein schönes Wochenende und bis bald!

Ihr
Rainer Hahn
Chefredakteur

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